So unscheinbar und doch so komplex
Trauma beschreibt ein Schutzmechanismus des Körpers, um eine Situation höchster Not zu überleben. Trauma ist daher keine „Krankheit“ und nicht als „Problem“ zu verstehen – sondern als eine intelligente Reaktion des autonomen Nervensystems, um das eigene Überleben auf emotionaler und psychischer Ebene zu sichern.
Was für einen Erwachsenen Menschen wie eine banale oder leicht verunsichernde Situation wirkt, kann für ein kleines, überlebensabhängiges Wesen eine echte, emotionale Existenzbedrohung darstellen.
So kann selbst die Gegebenheit, von seinen Bidungspersonen nicht in seinem Sein (Gefühlen, Erleben, physischen und emotionalen Bedürfnissen) gesehen oder verstanden zu werden, eine existenzielle Bedrohung darstellen, wenn diese eigentlich für die Sicherung des Überlebens sorgen sollen.
Merke: Das emotionale Erleben ist hierbei ebeso fundamental wichtig in seiner Versorgung, wie jene physische Bedürfnisse.
Traumatisches Ereignis erkennen
Ein traumatisches Erlebnis beschreibt eine Situation, die die eigenen Bewältigungsstrategien überschreitet. Es entstehen Gefühle von Hilflosigkeit, Ohnmacht, Ausweglosigkeit, hoffnungslosigkeit, Ausgeliefertsein und Existenzangst.
Die Erfahrung eines traumatischen Ereignisses hängt somit unmittelbar mit dem eigenen erlernten Empfinden von Sicherheit, (Co-)Regulation und Containment (der Fähigkeit, sich selbst Halt zu geben) zusammen.
Besonders Säuglinge und Kinder verfügen nicht von Natur aus über diese Fähigkeiten. Sie erlernen Selbstregulation und Containment erst mit den Jahren durch Co-Regulation (den Halt durch eine emotional und physisch sichere Bindungsperson) und entwickeln dadurch im optimalen Fall ein Gefühl von Urvertrauen, innerer Stabilität und Sicherheit.
„Wie sicher sich ein Mensch in der Welt fühlt, hängt oft mehr von seinen frühen Prägungen ab als von der gegenwärtigen Situation.
Sicherheit ist ein subjektives Erleben.“
Verena König
Wann entsteht eine Traumatisierung?
Bei einem traumatischen Erlebnis ist das emotionale und energetische Intensität des Erlebens so hoch, dass der natürliche Verarbeitungsprozess aus Überlebensschutz blockiert wird.
Das Erlebte bleibt dadurch in Form von Überlebensenergien und seinen einzelnen, unverarbeiteten Fragmenten gespeichert – z.B. als Gefühle, Körperempfindungen, Gedanken, Bilder und Gerüche.
Merke: Alles, was nicht verarbeitet wurde, kann jederzeit durch Trigger (Auslösereize im Inneren oder Äußeren) wieder reaktiviert werden, sodass sich die betroffene Person mit einem Schlag wieder in dem Erleben von damals befindet und dies als die aktuelle Realität empfindet.
Wenn nach einem traumatischen Erlebnis kein für das Nervensystem sicherer Raum entsteht, um die unverarbeiteten Fragmente und die gespeicherte Überlebensenergie nachträglich zu verarbeiten, kann dies also zur Entstehung von Traumafolgen führen (emotionale-, körperliche- & visuelle Flashbacks, sowie Überlebens- und Kompensationsstrategien.
Kompensations- & Überlebensstrategien stellen hierbei den Ersatz für die fehlende Sicherheit dar, um ein alternatives Sicherheitznetz aus Kontrolle und Bewältigung des Erlebten zu ermöglichen. Dabei können diese das Erleben jedoch nicht heilen und auch nur selten die unverarbeitete inneren Druck und Wucht an unterdrückten Überlebensenergien und Traumaemotionen deckeln.
Eine Traumatisierung beschreibt somit die Verkörperung in Folgen und Auswirkungen, insbesondere auf physischer und emotionaler Ebene, auf das eigene Leben und jenes anderer (Opfer-Täter-Umkehr).
„Traumasymptome entstehen nicht unmittelbar durch das traumatische Erlebnis selbst, sondern durch erstarrte Energie, die nach dem Abklingen des traumatischen Erlebnisses nicht aufgelöst worden ist.“
Peter Levine
Wie kann Heilung gelingen?
Für Heilung braucht es echte Sicherheit – Halt im Außen, um echten Halt im Innern zu erschaffen. Hierbei beschreibt Halt einen sicheren Raum, in dem man mit seinem vollständigen Sein (Gefühlen, Verhalten, Gedanken etc.) so gesehen, verstanden und angenommen wird, wie man ist.
Mit einem ganzheitlichen Ansatz, der alle Bereiche, auf die ein Trauma wirkt, mit in die Heilung einbezieht, ist es auch nachträglich möglich, unverarbeitete traumatische sowie wiederholte Erfahrungen und gespeicherte Überlebensenergien dosiert zu lösen, die einzelnen Erinnerungsfragmente wieder zusammenzufügen, zu verarbeiten und dadurch zu integrieren.

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